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Wie ist Cala Jami entstanden?
Wie werden Träume wahr?
Es ist sicher was dran an der Idee, dass wir unsere Wirklichkeit selbst
schaffen. Wenn wir wissen, was wir wirklich wünschen, wenn wir
fühlen, wohin unser Herz sich entfaltet, wenn das Feuer der
Begeisterung stark und der Mut groß ist, dann können wir
viele Hindernisse überwinden. Und dient unser Vorhaben dann noch
einem größeren Zweck als unserem persönlichen
Interesse, so mag es geschehen, dass sich der Weg vor uns trotz aller Hindernisse so deutlich entfaltet, als würde er immer wieder von unsichtbaren Helfern bereitet.
Sardinien ist eine besondere Insel, sie vermag Herzen zu entflammen und
echte Sehnsucht zu wecken. Nachdem ich als junge Frau mehrere Jahre in
der stillen Natur in Sardiniens wildem Innenland verbracht hatte und
dann schweren Herzens fortzog, sandte die Insel mir zehn Jahre lang
intensive Träume, mit Farben und Naturbildern, die lebendiger als
im Wachzustand schienen.
Sardinien rief mich zurück. Die Träume endeten erst, als
ich endlich nach zehn Jahren wieder meinen Fuß auf die Insel
setzen konnte. Es folgten mehrere Urlaubsaufenthalte, die alle eine
Freude waren, aber zu kurz. Ich lebte und arbeitete in Deutschland.
Im Oktober 2004 machte ich mit Gerhard, meinem langjährigen
Lebensgefährten, wieder einmal Urlaub auf der Insel, diesmal im
Nordosten in einer Gegend, die uns ganz besonders gefiel. Mehr aus
Spaß fragten wir Laura, die die schöne Ferienanlage betrieb,
wo wir per Zufall gelandet waren, ob sie nicht ein Grundstück
wisse, das zum Verkauf stünde. Sogleich gab sie uns eine
Telefonnummer. Ich rief diesen Herrn an, ein älterer Sarde,
den wir beim Treffen als erstes nach dem Preis fragten. Als er ihn
nannte, wollten wir uns gleich wieder verabschieden. Doch er bestand
darauf uns das Grundstück zu zeigen. Wir gingen mehr aus
Zeitvertreib mit. Während er uns durch die Landschaft kutschierte,
staunte ich, wie wunderschön es wurde, immer schöner je
weiter wir fuhren. An dem Grundstück angekommen, war ich
völlig hin und weg. Es war für mich Liebe auf den ersten
Blick, das Tal schien ein Herzstück Sardiniens. Ich saß dort
mitten zwischen den Bäumen und uralten Felsen und konnte es nicht
fassen. Es fühlte sich an wie Heimat, wie das Land meiner
Träume. Ich bat den Besitzer, die Kauf-Option drei Wochen lang zu
reservieren, auch wenn der Preis sehr hoch schien.

Rasch kam mir die
Idee, an diesem Platz ein spirituelles Zentrum zu gründen, eine
Art Sufi-Camp. Mit einer einfachen Einweg-Kamera machte ich eine Reihe Fotos. Zurück
in Deutschland, sprach ich auf einem Sufi-Treffen mit einer
Freundin über das Projekt, sie gab mir den wertvollen Tipp,
es mit finanzieller Beteiligung mehrerer Interessenten zu versuchen.
Voller Begeisterung erzählte ich gleich allen beim Sufi-Treffen von diesem Traum, der Wirklichkeit werden sollte,
und entwarf dann ein Schreiben, stellte die besten der Fotos zusammen,
vervielfältigte das Ganze und verschickte diesen Brief an
mehrere hundert Sufis. Und tatsächlich: die Flamme der
Begeisterung sprang vom Brief gleich auf mehrere Empfänger
über. Der erste war Christoph. Er und
die weiteren Geldgeber hatten weder uns noch das
Grundstück je persönlich gesehen, und doch stellten sie
für den Kauf beachtliche Kredite zur Verfügung, und zwar genau in der Höhe, die es noch brauchte. Schon bald, nämlich im Januar 2005, war es dann so weit: der Kaufvertrag wurde unterzeichnet.
Ganz besonderer Dank gebührt Gerhard. Seine Unterstützung trug wesentlich dazu bei, dass
das Grundstück tatsächlich erworben werden konnte, vor allem
sein enormer finanzieller Einsatz in der Anfangsphase.
Das Land, auf dem später Cala Jami entstand, war tatsächlich das eine Grundstück gewesen, das Gerhard und ich
uns während unseres kurzen Urlaubs als erstes angesehen hatten. So
hatte
sich eins ins andere gefügt, das Land war bereit, und schon
tauchte das schöne große marokkanische Rundzelt auf, und
bereits im Mai 2005 konnte somit die
erste Veranstaltung auf Cala Jami stattfinden: die Einweihungswoche,
eine Feier mit Gemeinschaft, Meditation, Ausflügen, Wandern,
Kochen, Lachen, Feuer unterm Sternenhimmel. Technisch gesehen war auf
Cala Jami noch nichts fertig, außer dem großen Rundzelt,
zwei einfachen weißen Gartenpavillons (eins nutzten wir als
Küche, eins als Bad), und dem von Rüdiger erbauten Plumpsklo
mit Aussicht. Aber der unschuldige
Anfängergeist und die ungetrübte Begeisterung machten diese
Zusammenkunft zu einem besonders freudvollen, unvergesslichen Ereignis.
  
Selbst das Hämmern, Singen und
Fluchen der sardischen Bauarbeiter, die während der Woche den Rohbau
des Untergeschosses vom Haus fertigstellten, trübte unsere gute Laune
kein bisschen. Am Ende feierten wir mit ihnen ein ausgelassenes
Richtfest.  

Im Herbst des gleichen Jahres folgte das erste Sufi-Gruppenretreat mit
Munir. Seitdem fand es jeden Herbst statt, 2011 bereits zum siebten
Mal! Viele weitere schöne Events sollten folgen.
 
2006 entschloss ich mich, die Sprachenschule, die ich
über Jahre in Augsburg aufgebaut hatte, zu verkaufen und nach Cala
Jami zu gehen, um mich dem Projekt zu widmen. Mit der
großzügigen Geldspritze aus
dem Verkauf der Schule konnte im Jahr 2007 unter anderem endlich auch das
Untergeschoss des Hauses bezugsfertig ausgebaut werden. Zu Beginn des
Jahres 2007, also im Winter, hatte ich noch wildromantisch im
großen marokkanischen Rundzelt gelebt und mich wie ein
Derwisch gefühlt, besonders als der Sturm mir in einer
Nacht das Dach über dem Kopf wegriss. Nach dem ersten Schreck
erwies sich alles als halb so wild, half mir
doch ein weiterer kräftiger Windstoß noch in der gleichen
Nacht, das Dach
wieder zu befestigen.
Diese kleine Anekdote scheint mir sinnbildlich zu
stehen für die verschiedenen Hindernisse, die kleineren
und manchmal auch größeren Katastrophen, welche sich seit
2005 in und um Cala Jami ereignet haben. Alles Verquere
löste sich letztlich wieder auf, und scheinbares Unheil erwies
sich nicht selten
als lehr- oder gar segensreich.

Cala Jami war und ist ein großes Abenteuer, ich bin dankbar und
froh darüber, es erleben und mit anderen teilen zu dürfen.
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